Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

20.08.2026

Heiland

Im Kindergottesdienst, den ich als Kind regelmäßig besuchte, sprach Tante Rosine vom Heiland. Für mich war das eine schöne Bezeichnung für Jesus Christus. Ich konnte mir darunter etwas vorstellen: War ich gefallen und hatte mir die Knie aufgeschürft, dann sollte die Verletzung bald heilen. Das tat gut. Wunden heilten und das Leben konnte wieder seinen Gang gehen. Heilung. Dieses Erleben sah ich als Jesu Aufgabe an und verband es mit dem Namen Heiland.

Im Nachbarort gab es einen Baustoffhandel. Mein Vater nahm mich mit, wenn er dort einen Sack Zement kaufen musste. Wir fahren zum Heiland, hieß es dann. Dass der Baustoffhandel Heiland mit dem Heiland aus dem Kindergottesdienst nichts zu tun hatte, das habe ich erst später realisiert. Beide hießen Heiland und bei beiden wurde weitergeholfen. Der Baustoffhandel hatte alles, was mein Vater zur Gestaltung von Haus und Hof benötigte.

Im Laufe der Jahre fand ich die Bezeichnung Heiland für den Sohn Gottes kitschig. Ich selbst benutzte ihn nicht. Irgendwie war der Begriff aus der Mode gefallen. Kinder mochten den Begriff benutzen, ich jedenfalls war dafür zu alt. Etymologisch, vom althochdeutschen Wort heilant abgeleitet, lautet die Bedeutung: heil oder gesund machen, retten.

In meiner ersten Dienststelle als Pastor in Bad Hersfeld, Mitte der 90er Jahre, luden wir gelegentlich Pfarrer Rainer Bätzing von der Ev. Matthäuskirche zum Predigen ein. In einer seiner Predigten gebrauchte er das Wort Heiland, ein Gänsehautmoment für mich, und ich spürte ihm ab: Das war mehr als eine Bezeichnung für Jesus, das war seine Lebenserfahrung. Es hätte kein passenderes Wort gegeben, mit dem er seine Beziehung zu Jesus Christus beschreiben konnte. 1996 gestalteten wir in seiner Kirche einen ZDF-Fernsehgottesdienst.

Höre ich heute jemanden vom Heiland sprechen, dann bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Ich selbst benutze die Bezeichnung viel zu wenig, finde ich. Sie drückt Sehnsucht nach Heilung und Frieden aus, weiß von der Versorgung durch den Heiland, der helfen kann und will.

Georg Weißel dichtet 1642:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt...

Dieses Adventlied wurde zum Lieblingslied unserer jüngsten Tochter, das wir als Familie auch im Hochsommer sangen, wenn sie es sich wünschte: Jesus Christus, der Heiland, der Heil und Leben mit sich bringt. Wer ist Jesus Christus für Sie?

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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