Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

02.07.2026

fertig

Ich habe fertig!, lautet der legendäre Satz von Giovanni Trapattoni, gesagt am 10. März 1998. Damals war er Trainer des FC Bayern München. Ich bin fertig, sagt der Schüler zum Ende der Klassenarbeit und gibt diese ab. Ich bin fix und fertig!, seufzt jemand, der am Ende mit den Kräften ist. Am Boden zerstört ist mein Gegenüber, dem die Mutter als Kind sagte: Du bist ja noch nicht fertig! Mein Gegenüber verinnerlichte: Dich kann ich nicht ernst nehmen, du hast keine Geltung, du bist unbedeutend. Manche Mitmenschen sind nach solch einer Aussage einfach fertig mit den Nerven!

Wünschenswert im Leben ist hingegen, dass wir alle Projekte und Vorhaben, und am liebsten uns selbst, Schlüsselfertig! übergeben. Wie das Fertighaus: alles schick und top im Schuss. Das ist allerdings Utopie. Es bleibt zeitlebens bei einem Auf die Plätze, fertig, los!: Dieses Startsignal beim sportlichen Rennen, kommt im alltäglichen Rennen relativ häufig vor. Denn allzu oft heißt es: wieder von vorne anfangen.

Ist das Gegenteil von fertig eigentlich unfertig? Oder halbfertig? Vielleicht fange ich erst gar nicht mit irgendetwas an, weil es aus Erfahrung sowieso nicht fertig wird? Oder habe ich noch nichts fertig gemacht, weil ich immer fertig gemacht werde?

Wie gut, dass Gott mit mir niemals fertig ist. Er verliert weder die Geduld, noch das Interesse an der Begegnung mit mir. Was für eine Erleichterung! Wie gut, dass er immer wieder neu ein motivierendes auf-die-Plätze-fertig-los für mich parat hat. Wie gut, dass ich zu ihm kommen kann, egal, wie fix und fertig ich bin. Wie gut, dass schlüsselfertig nicht sein Maßstab für mich und mein Leben ist.

Als Christ bin ich eine Dauerbaustelle. Mein Glaube ist kein Zustand, sondern ein Weg: Scheitern, lernen, wachsen, sind Phasen auf diesem Weg. Ein Fertig! gibt es nicht. Ein Schlüsselfertig! schon gar nicht, da es zur Perfektion hinten und vorne nicht reicht. Auch, wenn jemand viele Fertigkeiten hat – egal, ob hard oder soft skills.

Jesus buchstabiert am Kreuz (Joh.19,30): Es ist vollbracht! Dieses ultimative Es ist fertig! im Sinne von vollendet, absolut fertig - ist das Fundament meines Lebens. Seine bedingungslose Liebe ist kein Do-it-yourself-Projekt. Das verändert meinen Blick auf mich und meinen Nächsten.

Die Aufforderung Mach dich fertig! passt gut an diese Stelle. Sie motiviert zu einem geistlichen Aufbruch im Leben mit dem dreieinigen Gott. Warum? Weil er, trotz meiner Unfertigkeit, mich einlädt, seine Welt mit anzufertigen bzw. mitzugestalten.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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