Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

03.06.2026

überflüssig

Ausmisten ist angesagt und alles, was überflüssig ist, wandert in die Tonne. Oder wird artgerecht entsorgt. Verblichene Kassenbons, abgelaufene Medikamente, vertrocknete Brillenputztücher und Kulis, die nicht mehr schreiben. Digitale Newsletter werden abbestellt und alles, was sich auch im Internet finden lässt, wie zum Beispiel der DUDEN, kommt vor die Tür und schon gibt es Platz und das Leben fühlt sich leichter und übersichtlicher an.

Ähnlich ging es wohl einer Spinne, von der ich las, die in ihrem Netz glücklich und zufrieden lebte, bis zu dem Moment, als sie hörte, dass die Welt sich verändert habe. Modernisieren, rationalisieren, unnötigen Ballast abwerfen, loslassen und Strukturen optimieren war angesagt. Weg mit alles Überflüssigen! Die Spinne wurde nervös. Ihr Netz war ihr Leben, und nun hieß es plötzlich, etwas im Lebensnetz sei rückständig und unnötig?

Um auf Nummer sicherzugehen, inspizierte sie ihr gesamtes Netz. Jeder Faden schien wichtig - Angst trieb sie um. Schließlich wandte sie sich an Experten. Sie entdeckten einen langen Faden, der senkrecht nach oben verlief – dieser hatte noch nie eine Fliege gefangen. Der Faden ist überflüssig!, wurde ihr geraten und sie biss ihn ab. Dadurch fiel das gesamte Netz in sich zusammen. Es war dieser eine Faden, nach oben, an dem alles hing.

Manchmal erscheinen Dinge unwichtig, sind aber die Grundlage des gesamten Systems. Es gilt zu begreifen, dass aufräumen und rationalisieren, modernisieren sinnvoll ist – nur nicht auf Kosten des Fundamentalen. Ein einziger Faden kann alles zusammenhalten. Wer ihn für überflüssig hält, riskiert, alles zu verlieren. Abschneiden ist grundverkehrt – für einen selbst und für eine Gesellschaft.

Mir scheint, dass beides wichtig ist: Die Verbindung nach oben und das Netz untereinander. Schließlich lebe ich nicht allein in dieser Welt, die sich fortlaufend und immer schneller verändert. Ich bin Teil einer Gemeinschaft, die sich definiert aus Werten, Beziehungen und Traditionen. Dieses Netz gilt es zu pflegen und daran mitzubauen.

Gleichzeitig gilt es, den Faden nach oben nicht außer Acht zu lassen. Für manche Menschen ist der Glaube, im Laufe des Lebens, überflüssig geworden. Loslassen heißt oft die Devise. Unnütz. Überflüssig. Zeitverschwendung und: zu teuer. Aber Vorsicht: Bevor man etwas als überflüssig abstempelt, lohnt es sich, genau hinzuschauen, wer und was wirklich trägt. Das gilt für Netzwerke und Nachbarschaft, für Verwandtschaft und Vereine, für Teams und Gruppen – und natürlich für das Leben mit Gott. Wer ihn loslässt, muss damit rechnen, dass das Lebensnetz in sich zusammenfällt.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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