Nö!
, antwortet das Musikschulkind auf die Aufforderung des Musikschullehrers, die Noten noch einmal zu spielen.
Keine Lust!
- Nö!
, sagt der Erstklässler auf die Anweisung der Lehrerin, den Buchstaben A
in die Zeilen im Heft zu schreiben.
Das ist langweilig!
Ob unsere Jüngsten mit zu viel Curling- und Kellnerpädagogik aufwachsen?
Auf dem Tablet zuhause, da bewegen sich Buchstaben und Noten, durch Berühren, wie von selbst: Sie blinken und hüpfen, in bunten Farben, mit Klingeltönen, dahin, wohin sie sollen.
Bremst das Tablet die natürliche Entwicklung aus?
Unser Enkelkind ist drei Monate alt.
Es liegt auf dem Bauch.
Irgendwann ist es Zeit, sich zu drehen und genau das ist der nächste Entwicklungsschritt.
Es käme nicht auf die Idee zu sagen: Nö! Keine Lust!
Kein Kleinkind will immer und ewig auf dem Bauch oder dem Rücken liegen.
Nach dem selbstständigen Drehen folgt das Krabbeln.
Anschließend wird aufgestanden und gegangen.
Und dann ist nichts mehr sicher, was mit den kleinen Händchen erreichbar ist.
Menschen wollen sich entwickeln.
Sie wollen reifen, Fortschritte machen und erwachsen werden.
Mit einer Nö-keine-Lust
-Einstellung und Verweigerungshaltung kommt man gewöhnlich nicht weit.
Nö, keine Lust
, sagen auch manche Christen.
Aber wer im Glauben an den lebendigen Gott unterwegs ist, kommt nicht irgendwann am Ende der Fahnenstange an.
Im Gegenteil: Glaube will vertieft, gestärkt und entwickelt werden: Christen sprechen von geistlichem Wachstum.
Auch Christen dudelt das Tablet
allerhand vor: Podcasts und gestreamte Gottesdienste sind das eine, sicherlich zeitweise hilfreich.
Das andere sind: Teilnehmen, gesunde Neugierde, sich einbringen, ausprobieren, entwickeln und entdecken.
Menschen begleiten, Begabungen einsetzen und feststellen: Wow, da geht ja was, aber es ist auch noch Luft nach oben.
Vom Übernommenen zum Eigenen.
Vom Kinderglauben zum gereiften Glauben.
Falsche Vorstellungen revidieren.
Wer im Christsein irgendwann ein Nö!
formuliert und nicht mehr weiterwachsen will, der erinnert mich an die fiktive Figur Peter Pan auf der Insel Nimmerland.
Peter Pan kann zwar fliegen, wird aber im Gegensatz zu anderen Jungen niemals erwachsen.
Geistlich nicht wachsen wollen, heißt: ich nehme mir und anderen Potential.
Im Hebräerbrief (5,12) ist die Rede davon, dass etliche Christen zeitlebens Brei
essen und versäumen,
feste Speise
zu sich zu nehmen, weil ihr Nö! Keine Lust!
ihnen geistliches Wachstum und Reife vorenthält.
Lebendiger Glaube zeichnet sich durch geistlichen Hunger aus, der nach neuen Erfahrungen und tieferem Verständnis sucht. Nicht in der Theorie, sondern in Gemeinschaft mit anderen Christen und in der vertieften Beziehung mit dem lebendigen Gott.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde