Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

15.01.2026

Zerbruch

Ich war wütend! Verärgert. Stinksauer. Wie konnte das passieren? Warum hatten die Leute nicht aufgepasst? Jetzt musste alles instandgesetzt werden. Wer würde für Zeit und Kosten aufkommen? Die alles entscheidende Frage: Wie konnte überhaupt in der Haustüre das schmale Glaselement zerbrochen werden?

Nachdem sich der erste Ärger gelegt und der Schaden begutachtet war, stellte ich fest, dass sich das Glaselement nicht so einfach ausbauen und austauschen ließ, wie gehofft. Gut Ding will Weile haben - ein paar Tage abwarten war angesagt.

Ein Hausbesuch bei einer Künstlerin brachte mich auf die Idee. Sie arbeitete gerade mit Scherben und fügte Stück für Stück zu einem neuen Kunstwerk zusammen. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Warum aus dem Zerbruch nicht etwas Neues entstehen lassen? Vielleicht könnte es ein Unikat werden!

Schnell waren Infos aus dem Internet und mündlich eingeholt, Material bestellt und dann ging es an die Arbeit: Das kaputte Ornamentglas vorsichtig vollständig aus dem Rahmen hämmern (die hintere Scheibe vom Isolierglas war ja noch intakt), die Tür aushängen und auf zwei Böcke legen, Blätter trocknen, Baumscheiben und Steine sammeln und das Ganze mit Epoxidharz ausgießen. So entstand etwas Neues. Etwas Einzigartiges.

zerbrochene Scheibe in der Tür und neue Scheibe

Manchmal ist es im Leben ähnlich. Man ist verärgert über zerbrochene Scheiben und Pläne, Beziehungen und Wünsche. Und dann? Kann etwas Neues entstehen? Etwas, das gar nicht geplant war, aber dann zum Hingucker wird. Etwas, das das Leben nachhaltig verändert?

Leben lernen mit dem Zerbruch. Gott die Bruchstücke des Lebens hinhalten. Der Mathematiker, Physiker und christliche Philosoph Blaise Pascal (1623-62) war überzeugt: Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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