Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

20.03.2025

Ganz ehrlich!

Einen Bekannten von uns nenne ich gerne den Ganz-ehrlich-Martin. Warum? Wenn er anruft, dann beginnt er das Telefonat mit: Ganz ehrlich, Burkhard, ganz ehrlich. Jedes Telefonat beginnt so. Warum muss er sein Ehrlich-Sein so betonen? Was er meint, ist: Um es ganz offen zu sagen. Bzw.: Ich will dir nichts verheimlichen.

Ehrlichkeit ist relativ. In manchen Kulturen in Südamerika oder auch in Papua-Neuguinea, wo ich beruflich viele Jahre tätig war, wurde Ehrlichkeit ganz anders definiert: Um eine Beziehung zu erhalten, war eine Lüge akzeptabel, denn: die Beziehung war wichtiger als die Ehrlichkeit. Und in unserer Kultur ist es oft ähnlich: Steht mir der Rock?Du siehst umwerfend aus! Das ist zwar gelogen, aber die Beziehung ist gerettet.

Ehrlichkeit. Wie ehrlich bist du? Gegenüber dir selbst? Gegenüber Gott? Wie ehrlich bist du gegenüber deinen Kollegen? Gegenüber deiner Frau oder deinem Mann? Ehrlichkeit kann frei machen: Wenn man die Dinge beim Namen nennt, wie Ganz-ehrlich-Martin. Und: Ehrlichkeit kann zerstören: Wenn man die Dinge beim Namen nennt, wie Ganz-ehrlich-Martin. Kurz: Ehrlichkeit kann verglichen werden mit einer Operation: Sie schmerzt und sie heilt.

Ehrlichkeit. Ich will wissen, woran ich bin. Ehrlich sein schafft Vertrauen. Ehrlichkeit und Vertrauen sind der Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander und sie helfen uns dabei, uns weiterzuentwickeln. Jeder will Ehrlichkeit – kaum einer verträgt die Wahrheit. Weiß Schauspielerin Sophia Loren den goldenen Mittelweg: Im Leben muss man dauernd zwischen Aufrichtigkeit und Höflichkeit wählen. Oder sollte man es lieber mit dem Schriftsteller Thomas Mann halten: Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.

In diesen Tagen sehne ich mich nach mehr Ehrlichkeit. Nach Wahrheit. Auf allen Ebenen. Besonders auf der politischen Bühne - zwischen Parteien oder Staaten. Aber auch in der Kirche, Vereinen und im Sport. Ich kann auf Fake News, Manipulation und Propaganda gut verzichten. Auch die Bibel weiß um die Bedeutung der Ehrlichkeit: Sie nennt den Teufel den Vater der Lüge (Joh.8,44). Er ist der Diabolos, der Durcheinanderbringer. Fehlende Ehrlichkeit zerstört Beziehungen: Zu mir selbst, zu anderen und zu Gott. Und weil Ehrlichkeit so grundlegend in Beziehungen ist, benennt die Bibel von der ersten Seite (1.Mo.3,4) bis zur letzten diese Thematik (Offb.22,15): Der Teufel führt in die Illusion. Der Schutz gegen ihn ist die Wahrheit und die hat einen Namen: Jesus Christus.

Lieber Ganz-ehrlich-Martin, wenn du meinen Rat hören willst: lass die Floskel einfach weg und sei ehrlich, ohne es betonen zu müssen. Das wird dich und die Beziehungen, in denen du lebst, fördern.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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