Der mitgenommene Pastor

Bus verpasst. Ich informiere meine Frau und sie empfiehlt: trampen. Gesagt getan – warum nicht! Daumen in den Wind und tatsächlich: ein Auto der gehobenen Klasse, eins mit den vier Ringen, hält und nimmt mich zwei Orte mit. Schnell sind wir im Gespräch. Die Fahrerin verrät: am Montag geht es in den Urlaub nach Ägypten. Die Familie freut sich. Sie hat Migrationshintergrund. Ich höre es am Akzent. Gerne hätte ich mich noch länger unterhalten, aber leider muss ich schon aussteigen.

Daumen wieder in den Wind. Dieses Mal hält ein Fahrzeug der gehobenen Klasse aus München – weiß-blau im Emblem. Ich frage nach der Route. Der Fahrer hat Migrationshintergrund – ich höre es am Akzent. Seine Route bringt mich leider nicht weiter. Ich bedanke mich für die Bereitschaft: Daumen wieder in den Wind.

Erneut hält ein Fahrzeug dieser Marke. Bevor ich sagen kann, dass ich zum Bahnhof muss, kommt schon das Angebot: Gerne fahre er mich bis an mein Ziel! Staunen meinerseits! Obwohl seine Fahrtrichtung eine ganz andere ist und er einen Umweg machen muss... Aus Persien kommt der junge Mann, studiert in der Nähe und ist auf dem Weg zu den Eltern. Völlig ungeniert spricht er von seiner Kirchengemeinde, seinem Glauben, wie Gott ihn führt und ihm begegnet. Er sei extra in diesen Ort gezogen, in die Nähe seiner Kirchengemeinde. Das sei ihm wichtig! Auf dem Arm ein Tattoo: Thanks God! Wow, denke ich: hier bin ich richtig. Das ist meine Blutsgruppe. Hier fühle ich mich gut aufgehoben, auch wenn die Reifen beim Anfahren quietschen und ich den Eindruck habe, dass nur wenige Zentimeter meinen Hintern vom Asphalt trennen.

Ich oute mich als Christ und Pastor und schon sind wir mittendrin im Gespräch: Zufälle gibt es nicht, meint mein Chauffeur auf Zeit. Zufall ist, was Gott uns zufallen lässt!

Dankbar stimme ich zu: Dass ich den Bus verpasst habe war dann wohl auch kein Zufall. Ich staune und lerne: Trampen hat von seinem Charme nichts verloren! Es gibt sie noch: hilfsbereite Zeitgenossen, die sogar eine Extrarunde fahren, damit wildfremde Menschen an ihr Ziel kommen. Und: Die große Hilfsbereitschaft von Menschen mit Migrationshintergrund verwundert mich einmal mehr. Dankbar warte ich am Bahnsteig auf meinen Zug und freue mich darüber, dass mir Gott an diesem Nachmittag so viel Gutes zufallen ließ.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihr Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde